Selbst ein „Abbruchjäger“ kann bei unberechtigt abgebrochener eBay-Auktion Schadenersatz verlangen

Das Oberlandesgericht Hamm hat entschieden, dass ein Verkäufer, der seine eBay-Auktion grundlos abbricht, demjenigen Schadenersatz schuldet, der mit seinem Höchstgebot nicht zum Zug kommt. Das kann sogar auch dann gelten, wenn sich der Höchstbietende als sogenannter Abbruchjäger an der eBay-Auktion beteiligt haben sollte.

In dem zugrundeliegenden Fall hat die Beklagte, eine Gewerbetreibende, einen gebrauchten Gabelstapler mit einem Startpreis von einem Euro auf der Seite des Anbieters eBay als Auktion zum Verkauf eingestellt. Mit einem Maximalbetrag von 345,00 Euro beteiligte sich der Kläger an der Auktion. Nachdem die Beklagte den Gabelstapler während der noch laufenden eBay-Auktion für 5.355,00 Euro anderweitig veräußert hatte, brach sie die Auktion ab. Zu diesem Zeitpunkt war der Kläger mit einem Betrag von 301,00 Euro Höchstbietender. Wegen der Nichterfüllung des nach seiner Auffassung mit der Beklagten abgeschlossenen Kaufvertrages hat er von der Beklagten Schadenersatz verlangt. Sein Begehren war erfolgreich. Das OLG Hamm hat ihm 5.054,00 Euro zugesprochen.

Nach den Hammer Richtern sei zwischen den Parteien ein Kaufvertrag zustande gekommen, der die Beklagte verpflichte, dem Kläger den von ihr angebotenen Gabelstapler gegen Zahlung von 301,00 Euro zu liefern. Ein verbindliches Verkaufsangebot habe die Beklagte abgegeben, indem sie den Gabelstapler auf der Webseite von eBay zur Versteigerung inseriert und die Internetauktion gestartet habe. Ihr Vertragspartner sei der Kläger geworden, weil er innerhalb der Laufzeit der Option das höchste Angebot abgegeben habe.

Entgegen der Einschätzung der Beklagten sei am Rechtsbindungswillen des Klägers nicht zu zweifeln. Dass er den Gabelstapler zum Preis von bis zu 345,00 Euro abgenommen hätte, habe der Kläger plausibel dargelegt. Es sei nicht anzunehmen, dass er sein Kaufangebot nur zum Schein oder zum Scherz abgegeben habe. Jeder Teilnehmer einer eBay-Auktion werde vor der Abgabe eines Gebots darauf hingewiesen, dass dieses Gebot verbindlich sei und zum Abschluss eines Kaufvertrages führen könne. Das spreche für die Verbindlichkeit der mit einem Angebot abgegebenen Erklärung. Selbst wenn man dem Kläger unterstellen wolle, dass er sich als „Abbruchjäger“ systematisch an eBay-Auktionen beteilige, um gegebenenfalls Schadenersatzansprüche zu realisieren, setze auch ein solches Vorhaben gerade voraus, dass das jeweilige Höchstgebot bindend abgegeben wird.

Nach den Bestimmungen von eBay berechtige allein der Wunsch eines Verkäufers, den angebotenen Gegenstand während der laufenden Auktion losgelöst von eBay anderweitig zu veräußern, nicht zur Rücknahme des eBay-Angebots, wenn für dieses bereits Gebote abgegeben seien. Die Gebote dürften nur aus berechtigten, in den eBay-Bestimmungen geregelten Gründen gestrichen werden. Derartige Gründe habe die Beklagte im zu entscheidenden Fall nicht gehabt.

OLG Hamm, Urteil vom 30.10.2014, Az.: 28 U 199/13

30.10.2014 von OLG Hamm

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